Brunnthals Beitrag zur Energiewende

Energiewende in Deutschland
Bildursprung: Energiewende in Deutschland (Bundesregierung)

Energiewende in Deutschland

Das Ziel der Bundesregierung für die Energiewende ist es, bis 2030 insgesamt 55% weniger Treibhausgase bei der Energiegewinnung zu erzeugen als 1990 und bis 2050 weitgehend CO2-neutral zu sein. Dies wird als ein strategischer Beitrag Deutschlands gesehen, damit die globale Erderwärmung die kritische 2 Grad Grenze nicht überschreitet.

Dieses nationale Ziel kann nur erreicht werden, wenn ein jeder dazu seinen Beitrag leistet. So ist auch unsere Gemeinde Brunnthal gefordert.

Die wichtigsten Energieverbraucher in Deutschland sind (Quelle: Fraunhofer Institut, 07/2018):
* 50 % des Energiebedarfs wird für Wärme und Kälte benötigt (Heizung, Warmwasser, Kühlung)
* 30 % für unsere Mobilität/Verkehr (Individualverkehr, ÖPNV, Güterverkehr) und
* 20 % wird für den Stromverbrauch aufgewandt.

Energievermeidung

Alles, was vermieden werden kann, muss man nicht aufwendig erzeugen.

Auch in unserer Gemeinde gibt es noch viele Stellschrauben, um Energie einzusparen. Hierzu ein paar Beispiele:

  • Altbauten, die noch nicht energetisch saniert wurden
  • verstärkte Verwendung von Holz als Baumaterial, da Holz viel CO2 speichert (1 Kubikmeter speichert 1 Tonne C02, während z.B für die Erzeugung von einer Tonne Zement eine Tonne CO2 anfällt)
  • ein ÖPNV, der attraktiv und damit eine echte Alternative zum Individualverkehr ist
  • eine bessere ortsnahe Infrastruktur (Apotheke, Geschäfte, Bauernmärkte, ..), die möglichst auch ohne Auto gut erreichbar ist
  • dezentrale energetische Lösungen, wie z.B. sein E-Auto mit dem „grünem Strom“ direkt von der eigenen PV-Anlage laden, anstelle den Strom aus dem Fernnetz zu beziehen.

Prädestinierte Energiegewinnungsmöglichkeiten für den Standort Brunnthal

  • Tiefe Geothermie

In 3 km Tiefe werden fast überall auf der Erde durch den ständigen Wärmestrom aus dem Erdinneren Temperaturen um die 100 °C erreicht.
Die Umgebung von Brunnthal hat in dieser Tiefe eine wasserführende und über 110 °C heiße Malmschicht und damit eine in Deutschland hervorragende geologische Lage, um aus Geothermie unterbrechungsfrei Strom und Fernwärme zu gewinnen. Die Geothermie gilt grundsätzlich als die derzeit nachhaltigste und immer vorhandene Energiequelle.
WKAs dagegen liefern ohne einen ausreichenden Wind kein Strom, wie auch eine PV-Anlage auf Sonnenlicht angewiesen ist.

Die von den Stadtwerken München (SWM) 2016 übernommenen Geothermieanlagen in Kirchstockach und Dürrnhaar arbeiten sehr effektiv. Sie können z.B. durch eine Wärme-Kraft-Kopplung Ökostrom für mehr als 32.000 Haushalte und gleichzeitig wertvolle Fernwärme liefern, ohne großen Eingriff in unser Ökosystem (Quelle: SWM). Unsere Nachbargemeinden waren aktiv und beziehen jetzt die gewonnene Fernwärme. Die SWM planen in unserer Gegend nun weitere Anlagen für den Energiebedarf von München.

Die Gemeinde Brunnthal muss dringend hier bislang Versäumtes nachholen und über ein Fernwärmenetz nachdenken, denn spätestens in ca. 10 - 15 Jahren werden die heute weit verbreiteten Gas- und Ölheizungen technologisch obsolet sein und viele gewerbliche und kommunale Gebäude, sowie private Hausbesitzer brauchen dann eine Alternative (Investitionsvolumen: schätzungsweise im mittleren 2-stelligen Mio Euro-Bereich). Ab Ende 2025 dürfen keine neuen Ölheizungen mehr verbaut werden.
Dazu kommt noch die Problematik der großen Abhängigkeit bei den fossilen Brennstoffen von anderen Ländern, die damit ihre politischen Ziele verfolgen und eine zukünftig sichere Energieversorgung mit fossilen Stoffen in Frage stellt.
Die in den Häusern bereits heute vorhandenen Wärmespeicher können meistens bei einem Fernwärmeanschluss weiter verwendet werden, sodass innerhalb des Hauses kaum etwas verändert werden muss.

  • Oberflächennahe Geothermie

Einige Privathaushalte in unserer Gemeinde beziehen ihre Energie aus dem Untergrund bis maximal 400 m Tiefe und verwenden erfolgreich Wärmepumpen zur Heizung von Wasser und Haus. Gerne vermitteln wir dazu einen Kontakt zum Erfahrungsaustausch.

  • Photovoltaik

Die Sonnenscheindauer in unserer Region ermöglicht eine sehr effektive Nutzung von Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen).

Nach einem Bericht des LRA München zum Klimaschutz (2020) besitzen in Brunnthal mit Stand 2016 nur 13,9 % der Dachflächen eine PV-Anlage und diese kommen damit nur auf 7,8 % Anteil am Gesamtenergieverbrauch.
Die Ausrichtung der Dächer in Neubaugebieten muss optimal für eine effiziente Nutzung festgelegt werden. Wer als Hausbesitzer gerade nicht das Geld für eine PV-Anlage zur Verfügung hat, kann auf Stromdienstleister zugehen, die interessante Nutzungsmodelle -u.a. auch kostenfrei für die Hausbesitzer- anbieten.

Mit wenigen qm PV-Modulen und durch die Nutzung eines Stromspeichers kann z.B. der Eigenbedarf eines 4-Personenhaushalts und das Laden eines E-Autos weitgehend abgedeckt werden. Mit heutiger Technik leisten 7 qm PV-Mudule 1 kWp Leistung, das sind ca. 1.000 kWh/Jahr. Die Summe der derzeit noch ungenutzten Dachflächen ergeben ein riesiges Energiepotential.

Für private Geothermie- und PV- Lösungen sowie für Blockheizkraftanlagen gibt es in unserer Gemeinde einige vorbildhafte Installationen. Ziel muss es sein, dieses Wissen und die Erfahrungen an andere Interessenten weiterzuvermitteln.

  • Solarthermie

Solarthermie wird im privaten Bereich vorrangig im Rahmen der Warmwassererzeugung und Gebäudeheizung und -klimatisierung genutzt. In Verbindung mit einer guten Wärmedämmung und der passiven Nutzung der solaren Einstrahlung vermindert sich der Bedarf an zusätzlicher Heizenergie sehr stark. Es kommen dabei verschiedene Arten von sehr effizienten Kollektoren zum Einsatz, mit denen die Wärmeversorgung eines Hauses von März bis Oktober ohne fossile Brennstoffe möglich ist. Die Solarthermie hat eine ausgezeichnete Energiebilanz, weil keine Umwandlung in andere Energieformen notwendig ist.
Leider ist derzeit die Solarthermie in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund geraten, obwohl sie zum Heizen von Häuser und zum Erzeugen von Warmwasser deutlicher effizienter ist als über PV (siehe dazu z.B. Lesch, Erneuerbare Energien zum Verstehen und Mitreden, Bertelsmann Verlag).
Gerne vermitteln wir auch hier Kontakte zum Erfahrungsaustausch.

  • Biomasse

Der Wald im Hofoldinger Staatsforst und die örtlichen land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen sind ein großes Reservoir für nachwachsende Biomasse, das in einem Heizkraftwerk CO2-neutral für die Energiegewinnung verwendet werden kann. Die erzeugte Energie kann flexibel an den jeweiligen Bedarf angepasst werden und das Heizkraftwerk dadurch die Energielücken z.B. der PV-Anlagen schliessen.

Im Biomasseheizkraftwerk Augsburg Ost z.B. werden jedes Jahr ca. 90.000 Tonnen waldfrische Hackschnitzel verfeuert, was dem Energiegehalt von rund 21. Mio. Liter Heizöl entspricht. Der in der Anlage erzeugte Strom reicht für mehr als 20.000 Haushalte, die ausgekoppelte Fernwärme für 3.500 Einfamilienhäuser.

Viele unserer Nachbargemeinden haben zusammen mit den SWM entsprechende Energiegewinnungslösungen für nachwachsende Rohstoffe umgesetzt. Auch hier besteht in Brunnthal Nachholbedarf.

  • Windenergie

Windkraftanlagen sind grundsätzlich eine gute Ergänzung zu den PV-Anlagen. Allerdings muss der Standort dafür geeignet sein.

Brunnthal liegt in einer Schwachwindregion (siehe Windatlas von Bayern) und somit ist dieser Standort für eine effektive Energiegewinnung aus Wind ungeeignet. Die avisierte Stromversorgungsleistung von ca. 2.000 Haushalten (Quelle: Energieagentur Ebersberg-München) pro Windkraftanlage (WKA) ist im Vergleich zu den oben genannten Energiealternativen gering.

Der Einsatz von WKAs in Brunnthal sollte nachrangig zu dem Anschluss an Geothermie, dem Ausbau von vorhandenen Solarthermie- und PV-Potentialen und einem Biomasse-Heizkraftwerk sein.

Hier mehr über unseren Standpunkt zu den geplanten WKAs im Hofoldinger Forst.

Energieträger der Zukunft

Wasserstoff wird als der Energieträger der Zukunft gesehen, weil er sehr flexibel mit den oben genannten regenerativen Energietechnologien durch Elektrolyse aus Wasser erzeugt ("Grüner Wasserstoff"), gut gespeichert und später flexibel eingesetzt werden kann.
Heute müssen bei starkem Wind zur Vermeidung einer Überproduktion an Strom die WKAs aus dem Wind genommen werden. Dieser überschüssige Strom kann z.B. für die Erzeugung von Wasserstoff genutzt werden.

Über eine Brennstoffzelle und einer Wärme-Kraft-Kopplung kann man aus ihm danach wieder Energie gewinnen.

Der Wasserstoff kann auch bis zu 10% in das bestehende Erdgasnetz eingespeist und so unmittelbar genutzt werden.

Die Gewinnung, Speicherung und die Nutzung von Wasserstoff ist inzwischen eines der wichtigsten Forschungsthemen, nicht nur in Deutschland.

Die Brunnthaler Firmen SFC Energy AG und die Firma Ganser arbeiten auch auf diesem Gebiet.

Heute ist aber der Wirkungsgrad eines aus Ökostrom erzeugten Wasserstoffs durch den aufsummierten Energieverlust bei der Erzeugung, den Energiebedarf im Rahmen der Verflüssigung, der Lagerung und des Transports und der Energierückgewinnung durch eine Brennstoffzelle noch relativ gering.

Während z.B. ein mit einer Stromoberleitung betriebener LKW (O-LKW) heute auf einen Wirkungsgrad von über 70% kommt (siehe Projekt StratON), ist der vergleichbare Wirkungsgrad eines mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen-LKWs nicht einmal halb so groß.

Mit synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) betriebene Fahrzeuge sind auch klimaneutral und werden oft als Alternative zur Elektromobilität ins Spiel gebracht. Da aber auf Verbrennertechnik ausgerichtete Motoren gut 70% der Energie als Abwärme in die Umwelt abgeben, liegt der Gesamtwirkungsgrad unter 30%. Im Gegensatz kommt ein Elektroauto schon auf 70-80%.
Allerdings können E-Fuels dort angewendet werden, wo die Elektromobilität an ihre Grenzen stößt.

Aus heutiger Sicht wird in Zukunft beim Auto und beim ÖPNV fernab der Stammstrecken auf Batterietechnik gesetzt.
Wasserstoff dagegen hat gute Chancen beim Betrieb von Industrieanlagen. Auch im Schiffs- und Flugverkehr und im Fern- und Schwerlastverkehr werden Wasserstoff wie auch die E-Fuels zum Einsatz kommen.

Die in Deutschland erzeugte erneuerbare Energie wird weiter hauptsächlich für den zunehmenden Strombedarf benötigt, wobei die große technische Herausforderung nach Zwischenspeicher zum Ausgleich von Erzeugung und Nachfrage und auch der Aufbau eines leistungsfähigen Leitungsnetzes noch zu lösen sind.
Wasserstoff wird auch langfristig importiert werden müssen, um den Bedarf zu decken.

Energieatlas für Brunnthal

Erneuerbare Energien, der Einsatz innovativer Technologien und deutliche Steigerungen bei der Energieeffizienz sind die Grundlage für einen wirksamen Klimaschutz. Dies alles ist aber kein Selbstläufer.

Auch Brunnthal muss seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Als Grundlage für eine nachhaltigen Energiestrategie wird normalerweise ein Energienutzungsplan oder auch Energieatlas erstellt. Hierbei kann man auf die diesbezüglichen Erfahrungen vieler anderer Gemeinden zurückgreifen.
Brunnthal muss z.B. untersuchen, wer, wo und wie viel Energie heute und in Zukunft in den jeweiligen Ortsteilen benötigt wird.

Nur so können dann die richtigen Entscheidungen zur Energievermeidung und -erzeugung sowie zum Aufbau notwendiger Infrastrukturen für das Speichern und für den Transport der Energie zu den Endverbrauchern getroffen und umgesetzt werden.

Die Gemeinde Glonn hat diesen Weg schon vor Jahren erfolgreich begonnen und ist sehr kreativ bei dessen Umsetzung.

Die Gemeinde Hohenbrunn hat schon seit 2012 einen Energienutzungsplan.

Siehe dazu auch den SPD-Antrag zu einer Energievision.